1. Elternbildungstag Fricktal 17. Mai 08

Anerkennung für Mutter und Vater
Von: Diana Lewitz

Mütter, Väter, Kindererzieherinnen und Kinderpsychologen hatten am Samstag ihr „Stell Dich ein“ im Seminarhotel Schützen in Rheinfelden. Von kurz nach 9:00 bis 16:00 Uhr drehte sich alles um Kindererziehung, Entwicklung, Prävention und nicht zu Letzt um das Thema Eltern und Zeitmanagement.

Im Jahre 2002 haben sich erstmals die vier Elternvereine, -foren Rheinfelden, Möhlin, Wegenstetten und Wallbach zu einem Netzwerk zusammengeschlossen um künftig näher zusammenzuarbeiten, Erfahrungsaustausch zu betreiben.

So entstanden auch die Ziele des 1. Elternbildungstag Fricktal:

Austausch mit Betroffenen über die immer komplexer werdende Aufgabe „Erziehung“
Öffentliche Anerkennung für die zukunftsträchtige Aufgabe von Mutter und Vater
Mein Besuch als Berichtserstatterin war unangekündigt, ich war also nur eine Mutter unter Vielen. Schon im Vorfeld wurde mir angeboten meine kleine Tochter, für obligatorische CHF 10,00, in der Zeit von 8:00 bis 17:00 Uhr in der Kindergrippe Wallbach einhüten zu lassen. Was ich gerne tat.

Um 9:45 Uhr startete das Programm planmässig mit einer Einleitung von Frau Claudia Berther, Familienforum Wallbach, die kurz das Tagesprogramm vorstellte. Im Anschluss hiess uns die Stadträtin Rheinfelden, Frau Béa Bieber, selbst Mutter von zwei Kindern, herzlich willkommen.

Das eigentliche Programm begann dann mit der Kommunikationstrainerin Frau Bernadette Amacker. Die Mutter von 6 Kindern wusste wovon sie sprach. Von „Wie sollte Erziehung aussehen – bestimmt, freundlich, respektvoll“ über „Fehler sind erlaubt“ bis hin zu „Vorwürfe sind das schlechteste Übel einer jeden Form von Beziehung“.

Zur Auflockerung folgte der Liedermacher, Autor und Geschichtenerzähler, Herr Linard Bardill. Selbst Vater von vier Kindern, versprühte er mit seinem Auftritt pure Lebensfreude, wir sangen den Refrain seiner Lieder mit, malten Kreise in die Luft, lachten herzlich – er hinterliess einen sagenhaften Eindruck. Ein begnadeter „Retter der Kindheit“.

Nach einem Stehimbiss, dem Besuch von Informationsständen rund um das Thema Kind und dem persönlichen Austausch von Teilnehmern, ging es mit den Workshops in die letzte Runde der Veranstaltung.

Unter dem Zeichen „Stark durch Erziehung“ deckten die Workshops ein breites Spektrum ab. Stressprävention für Paare mit Kindern; “Bärenstark und doch noch klein“; “Mein erstes Haus war Mamis Bauch“, “Pubertät“, “Lust statt Frust“,“ Zeitmanagement“.

Sowohl die Veranstalter waren begeistert von soviel Zuspruch (die Veranstaltung war ausgebucht!) als auch die 100 Teilnehmer zeigten sich sehr zufrieden.

Als Mutter, die im Fricktal wohnt, kann ich dem Kanton Aargau nur gratulieren zu so viel Eigenverantwortung und Engagement der Eltern. Wie sicherlich auch all die anderen Teilnehmer freue ich mich schon heute auf das kommende Jahr, den 2. Elternbildungstag Fricktal.

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Wallbacher Zeitung

Grosser Erfolg für den ersten Fricktaler Elternbildungstag

Christian Lässer-Berger

Mit dem ersten Fricktaler Elternbildungstag wollten die vernetzten Elternorganisationen der Gemeinden Rheinfelden, Möhlin, Magden, Zeiningen, Wegenstetten, Ueken und Wallbach Unterstützung in Erziehungsfragen anbieten. Die Einladung im Rahmen der schweizweiten Kampagne „Stark durch Erziehung“ fand grossen Anklang, und der Anlass war schnell ausgebucht. So konnte die OK-Präsidentin Claudia Berther am 17. Mai 2008 mehr als 100 Mütter und Väter im Hotel Schützen in Rheinfelden begrüssen. Die Kinder blieben für diesen Tag bei Grosi und Opa, Nachbarn und Freunden oder wurden durch das Team der Kinderkrippe Wallbach betreut, die für den Elternbildungstag ihre Türen ausnahmsweise auch am Samstag geöffnet hatte.

„Erziehungsarbeit ist etwas Aktives und kann manchmal auch anstrengend sein“, stellte die Rheinfelder Stadträtin in ihrer Eröffnungsansprache fest. Dass die Eltern bei ihrer Erziehungsarbeit auch von der Politik gefördert werden müssen, steht für sie ausser Frage.

Den Auftakt des Bildungstages machte am Vormittag die Erwachsenenbildnerin Bernadette Amacker, selbst Mutter von sechs Kindern. Im Mittelpunkt ihres Referates stand die Notwendigkeit, Kinder zu ermutigen. „Ermutigung statt Entmutigung ist der Boden für eine gesunde Entwicklung“, hielt sie fest. Denn: „Jedes Kind hat Stärken – im sportlichen, musischen, sozialen oder schulischen Bereich.“ Mutmachen bedeute auch, den Kindern Verantwortung zu übergeben und sie altersgerecht an Entscheidungen teilhaben zu lassen. Ermutigung schaffe Selbstvertrauen und führe zu Erfolgserlebnissen. Im Gegensatz dazu seien Vorwürfe und Entmutigungen der Grund für eine schlechte Beziehung zwischen Eltern und Kindern. „Ein Kind, das häufig mit Vorwürfen konfrontiert wird, wird mutlos und verliert sein Selbstvertrauen.“ Die Vorstellung, es gebe nur zwei Erziehungstils, sei falsch: „Es gibt nicht entweder autoritär oder laissez-faire.“ Vielmehr brauche es etwas dazwischen. Ein respektvoller, aber bestimmter Umgang mit den Kindern sei ein wichtiger Bestandteil einer fruchtbaren Erziehung. Und Eltern dürften sich in der Erziehung durchaus auch Fehler erlauben. „Elternsein ist ein Lernprozess, denn Eltern fallen nicht kompetent vom Himmel“, ergänzte Bernadette Amacker. Wichtig sei, das Kind nie aufzugeben: „Die Lage ist nie hoffnungslos!“

Im Anschluss an Amackers Referat befasste sich der Bündner Liederer Linard Bardill auf unkonventionelle Weise mit dem Verlust der Kindheit. In seinem aus Konzert, Vortrag und Lesung bestehenden Auftritt – der in dieser Form auch für ihn neu war – stimmte er das Publikum im einen Moment nachdenklich, um es im anderen mit einem geistreichen Lied wieder zu erheitern. Anhand einiger Thesen kritisierte er u.a. die zunehmende Medialisierung der Kindheit. Unmittelbarkeit und sinnliche Erfahrungen betrachtetet er als Ausweg: „Es bringt dem Kind viel mehr, eine Katze zu streicheln, als einen Tiger im Zoo oder am Bildschirm zu betrachten.“ Die Kinder müssten viel mehr als früher mit Veränderungen in der Gesellschaft fertig werden. Das bedeute vor allem, sich mit einer grossen Zahl von Brüchen im Alltag auseinanderzusetzen, beispielsweise Scheidung, ausserfamiliäre Kinderbetreuung oder die Einschränkung der Bewegungsfreiheit durch die Zunahme des Verkehrs. Kinder müssten heute alles im Turbotempo begreifen, da liege der Verlust der Kindheit auf der Hand. Sie würden heute schneller erwachsen und würden den Bezug zur Phantasiewelt viel früher verlieren. Mit seinen Liedern und Texten versprühte Linard Bardill vieles aus dieser Phantasiewelt und weckte in den Teilnehmern die eigene Kinderseele.

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